Über den Unsinn von musikalischen Stempeln

In wenigen Wochen erscheint mein neues Album. Es heißt „Talking Canvas“. Auf den Beinamen „Entspannungsmusik Klavier“ verzichte ich diesmal. Nicht, weil meine Musik nicht mehr entspannend wirkt, sondern weil es einen passenderen Begriff gibt: „Neoklassik“ ist im Trend und – ehrlich gesagt – passt dieser neue Genre-Begriff viel besser zu meinen kleinen Klavierstücken. Und es wertet die Musik auf, denn „Neoklassik“ enthält ja den stolzen Begriff „Klassik“, der für die bedeutendste Musikepoche des Abendlandes steht. Dabei erinnern mich viele Werke der neoklassischen Komponisten eher an die Präludien von Bach, mit ihren immer wiederkehrenden rhythmischen Pattern (Bach würde „inventio“ dazu sagen). Das klassische Entwicklungsprinzip, das Beethoven perfektioniert hat, fehlt in der Neoklassik völlig. Vielleicht ist diese Musik auch gerade deshalb so entspannend, weil musikalisch wenig passiert und sich vieles wiederholt. Man kann sie nebenbei hören, ohne, dass es weh tut.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.